Pädagogische Grundsätze

 
Die Teilnahme an den angebotenen Veranstaltungen ist freiwillig und wird von jedem Schüler und jeder Schülerin persönlich getroffen. Wichtiges inhaltliches Kriterium dafür ist, ob sich der/die Einzelne auf die Lernerfahrungen mit den anderen zu dem gemeinsam gewählten Thema einlassen kann und will, und dies zu den räumlichen und zeitlichen Bedingungen der Veranstaltungen. Der Anspruch, sich persönlich ansprechen und anfragen zulassen, setzt eine freiwillige Entscheidung voraus. Eine freiwillig getroffene Entscheidung für oder gegen die Veranstaltung wird jedoch als verbindlich verstanden, so dass eine durchgängige An- bzw. Abwesenheit vorausgesetzt wird.
 
Mitbestimmung ist ein Gestaltungsprinzip, das im Verlauf der Veranstaltungen immer wieder wichtig wird. Sie erschöpft sich nicht darin, die Jugendlichen das Thema für die Veranstaltung beim Klassenbesuch entscheiden zu lassen, sondern ist zentraler Bestandteil der Prozessorientierung und zeigt sich im gemeinsamen Weiterentwickeln der thematischen Arbeit, in der gemeinsamen Klärung der Umgangsregeln, den Vereinbarungen zur Gestaltung bestimmter Tageszeiten, etc. Zudem fördern Mitbestimmung und -gestaltung der Veranstaltungsinhalte den persönlichen Lernerfolg und das sich-Einlassen auf Themen und Aufgaben. Damit dies gelingen kann, versucht das Leitungsteam stets transparent mit Leitungsaufgaben umzugehen.
 
Die Organisation von Speiseplan, Essenseinkauf, Anfahrt, Zeitplan, Kochen, etc. ist für manche Klassen sehr ungewohnt und stellt somit ein Lernfeld für die Gemeinschaft dar. Wo dies die Möglichkeiten der Schülerinnen und Schüler übersteigt, bekommen sie Unterstützung von dem Leitungsteam. Die Angebote bieten Freiräume sich auszuprobieren und aus Fehlern und Erfolgen zu lernen. Die Qualität liegt nicht in erster Linie im Ergebnis, sondern im Lernerfolg.
 
Im Mittelpunkt der Veranstaltungen stehen die Schülerinnen und Schüler mit ihren Fragen und Themen. Das bedeutet, dass die Arbeit mit Schülerinnen und Schülern nicht dann als
erfolgreich bezeichnet wird, wenn bestimmte Inhalte vermittelt worden sind. Der Maßstab ist vielmehr, wie sehr es gelingt, den Themen der Jugendlichen und damit ihnen selbst näher zu kommen. Für das Leitungsteam bedeutet das, immer wieder innezuhalten, nachzufragen und neu zu überlegen, ob das aktuelle Thema oder die Methodik für die Teilnehmenden richtig ist.
Veranstaltungen als Prozesse verstanden sind ergebnisoffen und setzen das o.g. Prinzip der Mitbestimmung und Partizipation voraus.
 
Mit der Prozessorientierung geht die Lebensweltorientierung einher. Die Mitarbeitenden im Schulbereich wollen die jungen Menschen in ihren Lebenssituationen ernstnehmen. Daher richten sie ihr Handeln und die Themen an deren Interessen und deren Situation aus, um für die Jugendlichen einen Mehrwert zu schaffen.
 
Die Mitarbeitenden erkennen jeden Menschen als von Grund auf wertvoll an. Deshalb machen sie keine Unterschiede bei Aussehen, Bildung, Herkunft, etc. Auch Männer und Frauen stehen sich gleichberechtigt gegenüber. Das schließt ein, dass bei manchen Themen geschlechtergetrennt gearbeitet wird.
 
Über die Gleichberechtigung hinaus wird Bewertungsfreiheit vor allem im Sinne eines druck-und leistungsfreien Raumes verstanden, den die Angebote im Schulbereich bieten.
Für die Mitarbeitenden zählt nicht die inhaltliche Leistung, die am Ende der Veranstaltung
abgeprüft wird, sondern das Interesse, die Motivation und der Einsatz, mit denen Schülerinnen und Schüler sich ins Thema und in die Gemeinschaft einbringen. So können sie sich zwar im Klassenverband, aber auf neue Art und Weise kennen lernen und begegnen.
 
Reflexion findet bei den Veranstaltungen auf zwei Ebenen statt. Als Element inhaltlicher
Arbeit mit den Teilnehmenden trägt sie dazu bei, sich selbst, andere und die Gruppe besser zu verstehen. Damit ist die Reflexion nicht nur Randelement, sondern ein wesentliches
Gestaltungsmerkmal. Prozessorientierung und partnerschaftlicher Umgang setzen voraus, dass sich die am Lernprozess Beteiligten auch immer wieder durch einen Blick in den (Rück-) Spiegel vergewissern, wo sie gerade stehen. Die andere Ebene der Reflexion betrifft die Arbeit im Leitungsteam, dessen Aufgabe es ist, sowohl das eigene Handeln als auch den Gruppenprozess begleitend zu reflektieren und die Arbeit mit der Gruppe entsprechend zu gestalten.
 
Die Veranstaltungen wenden sich an die ganze Klassengemeinschaft, insbesondere an
diejenigen, die sich auf den oben skizzierten Lern- und Gruppenprozess einlassen möchten. 
Dabei spielen die verschiedensten Glaubensrichtungen der Jugendlichen keine Rolle. Aus diesem Grund sind wir kirchlicher Anbieter grundsätzlich ökumenisch ausgerichtet,  wenngleich unser Handeln vom christlichen Menschenbild geprägt und durchdrungen wird.
 
In der inhaltlichen und methodischen Gestaltung wird darauf geachtet, nicht nur kognitive
Zugänge zu schaffen, sondern die mehrdimensionale Aufnahme bzw. Wahrnehmungsfähigkeit der Jugendlichen anzuregen. Durch erlebnispädagogische Methoden, Sinnesübungen und anderen Körperarbeitselemente, durch nonverbale Kommunikationsformen, aber auch durch kreativ zu gestaltenden Aufgaben erleben die Jugendlichen sich und die anderen oft auf intensivere Weise als dies der Schulalltag zulässt. Auf dieser Grundlage können Rollen- und Verhaltensfixierungen abgebaut und ein tieferes Verständnis untereinander kann gefördert werden.